Kategorien
Allgemein

Zukunftsschusterei in historischen Gemäuern

So wie sich der Schuhmacher und seine Frau über die Schuhe freuen, würden wir uns über Ihre Teilnahme an unserer Abstimmung online oder am Laden in der Magdeburgerstraße 5 freuen! Es liegen Klebepunkte bereit, um für das Logo der Zukunftsschusterei abzustimmen. Parallel zur Abstimmung vor dem Laden kann auch online in der Bad Belzig App abgestimmt werden. 

Ehemalige Schuhmacherwerkstatt Piepert

12.12.2021 – Die Zukunftsschusterei hat sich an einem geschichtsträchtigen Standort etabliert. Das Haus in der Magdeburger Straße 5 ist vielen Belzigern als Schuhmacherwerkstatt Piepert bekannt. Immerhin drei bzw. vier Generationen übten hier das Handwerk aus. Zuletzt waren es Wilhelm und Kurt Piepert, die das Handwerk an ihre Söhne weitergaben. Jedoch hatte Konrad Piepert eine Tochter, die sich anders orientierte und sich heute noch gut an die Schuhmacherwerkstatt ihres Vaters erinnert. Immerhin hat Birgit Bein als kleines Mädchen ihre Hausaufgaben in dem Raum gemacht.

Handwerk schon immer am Standort

Den Überlieferungen nach soll es am Standort zwei Häuser gegeben haben. Nach einem Brand 1916/1917 wird auf dem Grundstück ein Haus errichtet. Unten befand sich die Schuhmacherwerkstatt, im oberen Stockwerk eine Weißnäherei. Dort wurde Leinen, Batist und Seide genäht und bestickt  Tischtücher und Bettwäsche trugen kunstvoll gearbeitete Muster, jedes Loch wurde mit der Hand umnäht, damit der Stoff nicht ausfranst.

Stolze Preisträger einer Ausstellung

Einer Grundbuchakte im Brandenburgischen Landeshauptarchiv Potsdam (Belzig/Blatt 107) lässt sich entnehmen, dass in dem Haus Magdeburger Straße 5 meist das Handwerk zu Hause war. So wird zuerst Tischler Ferdinand Tau erwähnt, 1829 kauft Schuhmachermeister Christian Haberland für 350 Thaler Kurant das Anwesen. Schlächtermeister August Friedrich Müller musste schon 475 Thaler zahlen, um in den Besitz des Hauses zu kommen. Der Wert der Immobilie stieg weiter an, sie unterlag 1869 einer Subhastation (Zwangsversteigerung). Handelsmann Karl Ernst Knorr zahlt seinerzeit 600 Thaler. 1881 wechselt das Haus gleich zweimal seinen Besitzer. Zuerst ging es an Handelsmann Knopf, wenig später an Kaufmann Adolf Müller zu Lüsse.

Schon zwei Jahre später zieht Schuhmachermeister Traugott Benke mit Ehefrau Emilie geb. Hannemann ein. 1885 ist Schuhmachermeister Wilhelm Piepert vor Ort. Er übernimmt das Haus nach einer Insolvenz. 1919 ist Schuhmachermeister Robert Piepert genannt und muss ein Altenteil für Wilhelm und Martie geb. Ziehm gewährleisten.

Konrad Piepert Fotos: Birgit Bein (3)

In der heutigen Zeit sind Schuhmacher und Schuster zwei gängige Bezeichnungen für ein und denselben Handwerker. Schuhmacher ist die offizielle Berufsbezeichnung. Der ehrenwerte Handwerker besteht zuweilen darauf, Schuhmacher genannt zu werden. Denn das Verb „schustern“ bekam schon vor Jahrhunderten die umgangssprachliche Bedeutung Pfuscharbeit zu machen, besonders in zurechtschustern und zusammenschustern.

Hingegen kümmert sich ein Schuhmacher hauptsächlich um Schuhreparaturen: Er ersetzt bei einer Bodenreparatur Sohlen, Schuhspitzen und Absätze, bei der Schaftreparatur Reißverschlüsse, Ösen, Haken, Innenfutter, Schnürsenkel, Laschen und Riemen. Die Spezialisten entfernen auch Flecken und Verfärbungen und kümmern sich um Löcher und defekte Nähte. Die hohe Kunst des Handwerks besteht in der Anfertigung von gutem Schuhwerk, das viel Zeit, Liebe und Präzision erfordert. Handgenähte Schuhe lassen sich an den Doppelnähten erkennen.

Das benötigte Handwerkszeug des Schuhmachers hat sich seit Jahrhunderten kaum verändert. Es wurde lediglich durch rationeller arbeitende Maschinen ergänzt. In der Museumsscheune Dahnsdorf bewahrt Roland Strehle das ursprüngliche Werkzeug eines Belziger Schuhmachers für nachfolgende Generationen auf. „Würde sich ein Nachfolger finden, könnte er bei mir die Schürze umbinden und sofort sein Handwerk aufnehmen“, meint der leidenschaftliche Sammler.

Typisches Handwerkzeug eines Schuhmachers in der Museumsscheune Dahnsdorf. Foto: Gunnar Neubert

In der Museumsscheune Dahnsdorf findet sich der Schusterhammer für Klopfarbeiten, eine Beißzange zum Rausziehen der Zwicknägel, eine breite Zwickzange zum Ziehen des Schafts über den Leisten, Kneipmesser zum Beschneiden der Sohlen und Absätze, ein Wetzstein zum Schärfen des Kneip, Rissöffner zum Freimachen des Schnitts in der Sohle), eine Querahle zum Vorstechen der Bodennahtlöcher, Stahl- und Schweinsborsten als Nähnadeln, ein Aufrauer für die Vorbereitung der Klebflächen und sogar ein Stiefelknecht.

Und in jedem Fall erinnert Roland Strehle den Besucher an die Redewendung: „Schuster, bleib bei deinem Leisten!“